Briefstory von Antje Fritsch-Brown

Fan­ni Unter­lech­ner                                                 Mün­chen, den 7.4.2020

Schloß­an­ger­stra­ße 6

84164 Moosthen­ning

Lie­be Fanni,

man möcht es ja kaum glau­ben, aber jetzt sind schon wie­der 5 Mona­te ins Land gegan­gen seit­dem wir uns zuletzt gese­hen haben zu Rolands sech­zigs­tem. Das war ein lus­ti­ger Abend, geh Fan­ni, beim Viet­na­me­sen? Der Roland hat gestaunt, als wir unse­ren Film über sein Leben vor­ge­führt haben. Ich hab sel­ten so gelacht und ihm stan­den ja direkt die Trä­nen in den Augen, so gerührt war er.

Wie geht es dir denn so in die­sen Zei­ten? Du hast ein Glück, dass du auf dem Dorf wohnst und an die fri­sche Luft kommst. Bei uns da in der Stadt sind ja so vie­le Leut unter­wegs, dass man den Abstand gar nicht ein­hal­ten kann.

Also mir ist schon oft recht fad. Du weißt ja, ich wohn im vier­ten Stock und mit mei­nem kaput­ten Knie komm ich eh schlecht rauf und run­ter. Ich denk mir manch­mal, es wär ja gar nicht schlecht, wenn ich jetzt abkratz, dann spar ich mir müh­sa­me Jah­re…, aber dann wie­der möcht man doch nicht schnel­ler ster­ben als nötig und des­halb bleib ich jetzt lie­ber drin so wie es unser Minis­ter­prä­si­dent Söder emp­foh­len hat.

Zum Glück kommt über die Genos­sen­schaft ein sehr net­tes Mädel jeden Fei­tag und kauft für mich ein. Stell dir vor, sie ist Vege­ta­rie­rin, also Sachen gibt’s. Neu­lich hatt ich so Lust auf Bra­the­ring und habs ihr auf­ge­tra­gen, aber sie hat kei­nen gekriegt beim Lidl. Da war ich schon ent­täuscht. Aber sie bringt mir jeden Tag die Zei­tung, da hab ich a bissl Unter­hal­tung, obwohl ja jetzt nix gschei­tes mehr drin steht. Alles nur noch um das Coro­na. Hättst du gedacht, Fan­ni, dass wir so was auf unse­re alten Tage noch erle­ben müssen?

Als hätt­ma nicht schon gnug mit­ge­macht im Leben. Mei gut, dass des mein Rudi nim­mer mit­er­le­ben musst. Er hat sich doch eh immer so leicht auf­ge­regt. Ich hör ihn direkt…

Ich hab jetzt mal aus Spaß eine Mas­ke genäht, damit ich net aus der Übung komm. Hab einen sehr schö­nen Dirndl­stoff dafür gefun­den, grün mit rosa Rosen. Damit könnt ich glatt eine Bank über­fal­len! Wie wärs Fan­ni, mach­ma einen schwung­haf­ten Han­del auf? Wenn ich schon so ein Ding tra­gen müsst, dann sollt es wenigs­tens gut ausschaun.

Ich denk oft an unse­re schö­nen Tref­fen zurück. Hof­fent­lich ver­geht nicht all­zu viel Zeit bis wir uns wie­der­se­hen kön­nen und dass wir dann bei­de noch gut bei­ein­an­der sind. Aber du weißt ja, Unkraut ver­geht nicht.

Es grüßt dich ganz herzlich

Dei­ne Gretl