China-Essay von Gisela Gebhardt

Mei­ne Gedan­ken und der Text dazu sind sehr ambi­va­lent, einer­seits mag das in man­cher Hin­sicht etwas Posi­ti­ves sein, aber wenn man/frau es genau­er anschaut, dann riecht es sehr stark nach Kon­trol­le durch den Staat. In Chi­na ist „Sozia­le Kon­trol­le“ vom Staat aner­kannt, bzw. wird es mehr oder weni­ger praktiziert.

Es gibt Punk­te für gutes, also regel­kon­for­mes Ver­hal­ten, wenn man/frau sich nicht an die Regeln hält, dann wer­den Punk­te abge­zo­gen. Dies wirkt sich auf alle Berei­che des Lebens aus, wenn man/frau ein reich­hal­ti­ges Punk­te­kon­to hat, bekommt man/frau eine bes­se­re Woh­nung oder gut bezahl­te Arbeit, freie Fahrt in den öffent­li­chen Ver­kehrs­mit­teln usw. Das geht schon in der Schu­le los über das Stu­di­um, dann bis in alle Lebens­be­rei­che. Das erin­nert mich ein biss­chen an mei­ne eige­ne Schul­zeit, da gab es auch Punk­te, die hie­ßen aber Stern­chen oder Fleiß­bild­chen mit meist christ­li­chen Sprü­chen. Das moch­te ich gar nicht, ich war kei­ne sehr gute Schü­le­rin und auch kei­ne schlech­te, immer so im Mit­tel­maß, ich lern­te nur dann wenn es unbe­dingt not­wen­dig war. Ich fand die­se Metho­de irgend­wie unfair, denn wenn wir „lieb und brav“ waren, beka­men wir die­se Belo­bi­gun­gen und war „Lieb­kind“ bei den Lehrerinnen.Ich ging in der Haupt­schu­le auf eine Klos­ter­schu­le, da war es beson­ders arg. Außer­dem konn­ten wir die Noten ver­bes­sern, wenn wir vor der Schu­le in der Klos­ter­kir­che der Mes­se bei­wohn­ten und zur Kom­mu­ni­on gin­gen. Damals muss­te man/frau nüch­tern sein, wenn man/frau die Kom­mu­ni­on emp­fan­gen woll­te. Gut in der Früh das Früh­stück aus­las­sen war auch nicht Ide­al, aber mit einer grö­ße­ren „Jau­se“ war das mach­bar. Wir muss­ten halt schau­en, dass uns die Non­nen sahen. Trotz allem Unbe­ha­gen mach­te ich da mit, da dann die Noten bes­ser wur­den ohne, dass wir mehr ler­nen muss­ten! Ich schloss mich da an, weil ich mir dach­te, wenn es die Ande­ren machen, wie­so soll­te ich auch nicht da mit­ma­chen um mei­ne Noten zu ver­bes­sern, beson­ders kurz vorm Noten­schluss. Die Schwes­tern wuss­ten aller­dings wer regel­mä­ßig zur Mes­se ging und wer nur gegen Ende des Schul­jah­res oder in der Mit­te, also kurz vor Noten­schluss in der Mes­se erschien, aber es half. Natür­lich nicht in gro­ßen Ver­bes­se­run­gen, aber im Klei­nen, wenn man/frau so zwi­schen 2 Noten stand, dann konn­te das schon einer Ver­schie­bung zur bes­se­ren Note bedeu­ten. Wenn ich daheim von der Schu­le erzähl­te und mein­te die oder jene Schul­kol­le­gin darf das oder jenes machen, war die Ant­wort mei­ner Mut­ter immer: Wenn die­se in die Mur, der Fluss durch mei­ne Hei­mat­stadt, springt, ob ich da auch mit­sprin­gen wol­le? Dann war das The­ma erle­digt! Bei die­ser Sache mein­te mei­ne Mut­ter nur, wenn ich da wirk­lich mit­ma­chen woll­te, dann muss ich allein auf­ste­hen und eben ohne Früh­stück in die Schu­le, wenn ich das wol­le, dann lege sie mir kei­ne Stei­ne in den Weg. Mei­ne Eltern hat­ten ein sehr prag­ma­ti­sches Erzie­hungs­kon­zept, sie hat­ten rela­tiv wenig Zeit, mit uns über sol­che Klei­nig­kei­ten lan­ge zu dis­ku­tie­ren, da bei­de Berufs­tä­tig waren.

Wie oben schon ange­deu­tet, fand ich die­ses Sys­tem schon schlimm, das moch­te ich auch aus einem ande­ren Grund nicht, ich habe einen gro­ßen Gerech­tig­keits­sinn. Ich mach­te öfters nicht mit ande­ren Schul­kol­le­gin­nen mit, wenn mir das The­ma nicht rele­vant vor­kam, ich eck­te damit an, aber das küm­mer­te mich nicht, da ich mich im rech­ten Sin­ne wähnte.

So war ich erstaunt, dass die­ses Sys­tem in Chi­na nun „Staats­rä­son“ ist, das ist sehr trau­rig, da den Men­schen ihr biss­chen Frei­heit genom­men wird. So wie die poli­ti­sche Lage in Chi­na ist, wird das ziem­lich sicher mehr und mehr zum Usus! Ich hof­fe, dass unse­re Regie­run­gen nicht dar­auf kom­men, das auch noch ein­zu­füh­ren, es wird so schon genug gesam­melt über unse­re Ein­käu­fe und Wege durch die Smart­pho­nes, die ja fast schon ein jeder hat. Einer­seits ist es ja ziem­lich prak­tisch, wenn man/frau immer ein Navi­ga­ti­ons­sys­tem bei sich hat, aber dadurch lässt sich vie­les kon­trol­lie­ren, auch die ver­schie­den Punk­te die man/frau bei Ein­käu­fen sam­meln kann, da wis­sen dann die Fir­men, was man/frau so ein­kauft und kann die Wer­bung dann bes­ser posi­tio­nie­ren! Gise­la Gebhardt